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Kommunale Interessenvertretung für Kinder

- Alibi, Modernisierungsfalle oder Notwendigkeit?

"Kinder" - ein unterschiedlich definierter Begriff in familien- und kinderpolitischen Argumentationen. Zum einen sind Kinder der Familie zugehörig. Hier finden sie ihre wichtigsten Bezugspersonen und Sozialisationsebenen. Zum anderen sind sie eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Interessen, Bedürfnissen, Kenntnissen und Fähigkeiten, Rechten (und natürlich auch Pflichten), denen wir „auf Augenhöhe“ begegnen. Beide Betrachtungsweisen werden zuweilen als Gegensätze gehandelt. Sie sind aber zwei nicht zu trennende Seiten einer Medaille.

 

Die institutionalisierte Interessenvertretung für Kinder wird je nach Standpunkt zwiespältig betrachtet. Kinderbüros, Kinderbeauftragte etablieren werden oft als Bedrohung für etablierte Strukturen gesehen.

 

Sie werden zuweilen diffamiert als Alibi, als Spielwiesenpolitik, als ein unnützes Postenschaffen oder dem Nachgehen eines gerade "modernen" Gedankens. Nicht notwendig - zu teuer!? Im vorliegenden Beitrag wurde versucht darzustellen, was eine kommunale Interessenvertretung für Kinder bewirken kann. Dabei sollen Misserfolge und Rückschläge nicht verschwiegen werden. Es gelingt nicht alles, aber es gelingt mehr, als wenn es diese Stelle nicht gäbe.

 

Ein Kinderbüro ist nicht zum Nulltarif zu haben. Natürlich entstehen Kosten: Personal-, Sach- und Betriebskosten. Andererseits gibt es einen hohen Gewinn allein durch Organisations-, Koordinations- und Multiplikationsleistungen, der sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Auch können durch geschicktes Geldeinwerben Finanzen in Größenordnungen eingespielt werden als Förder- und Sponsorenmittel, nicht zu vergessen die Sachleistungen - nicht für das Kinderbüro, sondern für die Kinder dieser Stadt.

 

Die Situation der Kinder wird unter soziologischen, pädagogischen und psychologischen Aspekten als defizitär und problembehaftet beschrieben. Die Probleme der Kinder werden größer zwischen Armut und Wohlstandsverwahrlosung. Die in den Massenmedien üblich gewordene vereinfachende Klassifizierung und Verunglimpfung der Kinder als kleine Monster, Killerkinder… sind in ihrer dummen Vereinfachung wenig hilfreich. Unsere Kinder sind ein Produkt der Welt der Erwachsenen.

 

Kinderbüros/ Kinderbeauftragte können unkonventionell und offensiv im Kinderinteresse arbeiten. Allerdings garantieren sie nicht automatisch die kinderfreundliche Stadt. Es gibt nicht die kinderfreundliche Gemeinde oder Stadt, es gibt Städte und Gemeinden, die mehr, und andere, die weniger auf dem Weg zur Kinderfreundlichkeit sind. Die Stellen von Kinderbeauftragten und Kinderbüros würden sich erübrigen, wenn die Wahrung von Kinderinteressen Normalität wäre. Davon sind wir weit entfernt.

 

Die so häufig diskutierte Konkurrenz zum Jugendamt und zu anderen Institutionen oder das Infragestellen dieser Kinderinteressenvertretungen ist sinnlos und kontraproduktiv. Sie ist in Weimar kein Problem. Das Familien- und Sozialamt mit den Bereichen Jugendförderung u.a. ist einer unserer beständigsten und wichtigsten Partner. Es gibt genug zu tun für Viele. Komplexe Probleme erfordern ein vielseitiges und komplexes Herangehen mit unterschiedlicher Methodik und fachlicher Kompetenz.

 

Wir können uns in der gegenwärtigen Situation ein Gegeneinander nicht leisten. Und wir sollten über kleinlichem Gezänk und Kompetenzgerangel nicht das gemeinsame Ziel aus dem Auge verlieren: Die Verbesserung der Situation der Kinder, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Kinderinteressen und die Stärkung der Handlungskompetenz von Kindern.