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PYRAMIDE - 2000 Bilder für das Jahr 2000

ein internationales Kinder- und Jugendkulturprojekt

 

Die Stadt Weimar war 1999 europäische Kulturhauptstadt. Mit dem Projekt ‚Pyramide’ hat sie den Kindern und Jugendlichen Europas einen Platz im Herzen der Kulturstadt reserviert. Die Pyramide stand auf dem Frauenplan vor dem Wohnhaus Goethes.

Ein Stahlgerüst in Form einer Pyramide. etwa 8m hoch mit einer Seitenlänge von 10m, wurde mit fast vierhundert bemalten textilen Dreiecken gefüllt. Auf den Dreiecken gestalteten Kinder und Jugendliche aus 19 Ländern Europas ihre Botschaft an die Erwachsenen. Die Pyramide ist begehbar und für viele Aktionen zu nutzen.

Es waren komplizierte technische Vorleistungen notwendig. Für die Konstruktion wurde eine eigene Statik entwickelt. Ein Bauantrag musste gestellt und viele bürokratische Hindernisse überwunden werden. Ein internationales Team realisierte den Aufbau: Marc und Georg aus Schottland und Daniel aus Rumänien als Teilnehmer eines internationalen Jugendcamps halfen beim Aufbau. Metallbauer aus Georgien, die in Deutschland leben, bauten die Stahlkonstruktion mit Hilfe eines ukrainischen Helfers.

Ab 1997 wurden 2000 Dreiecke an Kinder und Jugendliche vieler europäischer Länder verschickt. Die jungen Künstler hatten den Auftrag, sich mit Vergangenheit und Zukunft, Erwartungen und Freuden, aber auch mit Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen. Entstanden ist eine Botschaft junger Menschen aus vielen europäischen Ländern an das neue Jahrtausend. Nicht alle Dreiecke fanden in der Pyramide Platz. Aber kein Bild ging verloren, sie wurden an verschiedenen Plätzen der Stadt gezeigt.

Die Kinder und Jugendlichen stellten Themen dar, die ihnen wichtig sind, und die sie beschäftigen: Frieden und Freundschaft, Familie und Liebe, die Bewahrung der Umwelt und Natur, ihre Heimat…

Die Schöpfer der Dreiecke sind unterschiedlich in ihrem Alter, ihrer Religion, ihrer Geschichte, Erziehung  und Bildung und in ihren gestalterischen Fähigkeiten. Diese Unterschiede zeigen sich auch in den Bildern. Jedes Bild ist etwas Besonderes. Jedes Bild ist von den anderen verschieden. Jedes Bild ist authentisch und ein Kunstwerk. Alle Bilder haben eine Botschaft, die Erwachsene ernst nehmen sollen.

1999 in Weimar waren die Dreiecke in nach Himmelsrichtungen mit Weimar als Mittelpunkt  geordnet. Die Mentalität der entsprechenden Länder schien erlebbar.

Der Süden mit vorwiegend leuchtenden, fröhlichen Farben, der Norden oft im gedämpften Farbton bis zur Darstellung der Polarnacht. Der Osten, z. B. Polen oder die baltischen Länder präsentierte sich philosophisch. Der Einfluss einzelner Malschulen war deutlich erkennbar. Der Westen bunt, expressiv und leicht chaotisch. Deutlich konnten bestimmte Ereignisse zugeordnet werden. Während des Kosovokrieges häuften sich nachdenklich stimmende Darstellungen zu Gewalt und Kriegsleid – z. B. aus Rumänien.

Die Resonanz auf dieses internationale Kinder- und Jugendprojekt war außerordentlich positiv. Viele Menschen – Bürger der Stadt, Gäste, Kinder und Jugendliche – verweilten, um die Bilder zu betrachten. Es entstand reger Gedankenaustausch, Kommunikation und Anregung zur Weiterführung des Projektes. Damit haben die Initiatoren ihr Ziel erreicht: Die Pyramide ist ein Ort der Begegnung, der Anregung und des Austausches geworden.

Das „zweite Leben“ der Pyramide bedeutet, dass sie in verschiedenen Städten gezeigt wurde. 2003 in der europäischen Kulturhauptstadt Graz, 2004 anlässlich eines Kulturfestivals in Soest/Deutschland, 2007 im Großraum der europäischen Kulturstadt in Trier/Deutschland, der Stadt Luxemburg und Eupen/Belgien. Kinder aus Luxemburg, Frankreich, Trier und Weimar haben zu diesem Anlass über 160 neue Dreiecke bemalt. Damit hat sich die Zahl der beteiligten Länder auf 21 erhöht. Für das Jahr 2009 gibt es eine Anfrage, dieses Projekt zum Klassikfestival in Monschau/Deutschland zu zeigen.

Geplant ist, im Herbst 2009 die Pyramide in Vilnius in Litauen, der Kulturstadt Europa in diesem Jahr zeigen. Schon 1999 haben sich Kinder und Jugendliche aus Litauen mit vielen eindrucksvollen Bildern an dem Projekt beteiligt. Damit ist die 10jährige Reise der Pyramide beendet und das Projekt abgeschlossen.

Die Weimarer Kinderkunstpyramide zeigt, dass der europäische Gedanke keine unwirkliche Vision ist. Die Pyramide ist eine Botschaft der Weltoffenheit und Toleranz, ein ‚buntes Haus Europa’, das wir gemeinsam bewohnen.

 

Dieses Projekt ist eine deutsch-polnische Kooperation:

Idee und künstlerischer Leiter:

Prof. Wieslaw Karolak

Akademie der Künste, Lodz/Polen

 

Realisation und Organisation:

Steffi Engelstädter

Kinderbeauftragte der Stadt Weimar

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