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AG Spielraum

Vision einer kinderfreundlichen Stadt Weimar

 

Kindsein ist doch kinderleicht – oder?! Von Sozialwissenschaftlern und Sozialexperten wird die Situation der Kinder in Deutschland häufig als Defizit- und Krisenszenario beschrieben: Kinderarmut und Armut an Kindern, Bildungsnotstand, Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigungen, Terminkindheit, Verinselung…  Mit solchen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen muss auch in einer konkreten Stadt umgegangen werden.

Weimar hat  9 528  Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Das sind 14,8%  der Bevölkerung (Stand 31.12.2004).  Auch eine relativ gleichmäßige und im Trend nicht negative Geburtenrate reicht noch nicht zur Reproduktion der Bevölkerung  dieser Stadt aus. Trotzdem ist  Weimar eine der wenigen Städte, deren Bevölkerungszahl zunimmt. Das ist einem relativ hohen Zuzug an älteren Menschen geschuldet.

Kinderfreundlichkeit ist ein harter Standortfaktor. Wirtschaftsanalysen vergleichbarer Standorte in Schleswig Holstein haben das erwiesen. Kinderfreundliche Standorte konnten besser vermarktet und Gewerbe gut angesiedelt werden. Es gibt eine hohe Wohnzufriedenheit, das Bevölkerungswachstum ist positiv.

Weimar in seiner urbanen  Struktur hat grundsätzlich gute Potentiale für eine bürger- und damit auch für eine kinderfreundliche Stadt: große Parks und Freiräume, eine angenehme und überschaubare Stadtstruktur, anregende kultur-historische Gegebenheiten, 54 ausgewiesene Spielplätze….  Diese Potentiale müssen gepflegt und weiter bedürfnisgerecht entwickelt werden.  Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch, in einem Gemeinwesen ihren Raum vorzufinden und sich darin zu verwirklichen. Das schafft Identifikation und fördert die Bereitschaft, Verantwortung für die die Lebenswelt, die Mitmenschen und die Wohnumwelt zu übernehmen.
Chancengleichheit bei der Nutzung des öffentlichen Raumes verlangt eine gerechtere Verteilung dieses Raumes und die Akzeptanz von Bedürfnissen und Verhaltensweisen.

Unter dieser Prämisse, die Stadt für Kinder und Jugendliche gerechter aufzuteilen, arbeitet seit 1995 eine ressort- und ämterübergreifende Arbeitsgruppe an einer Spielraumplanung für die Stadt Weimar. Beteiligt sind das Bau- und Grünflächenamt, das Stadtplanungs- und das Jugendamt sowie das Kinderbüro der Stadt Weimar. Ziel ist die Erhaltung, Erschließung und Rückgewinnung von Orten für Kinder und Jugendliche in der Stadt. Die ganze Stadt wird als Spiel- und Lebensraum für Heranwachsende betrachtet und nicht „nur“ der Spielplatz als geschützter Raum für Kinder.  Gemeint sind Straßen und Wege, Plätze und Hauseingangsbereiche, Spielplätze und Spielpunkte als  Räume mit vielen Funktionen, von Vielen genutzt, nicht zuletzt auch von Kindern und Jugendlichen je nach ihren Bedürfnissen.

Grundlage aller Aktivitäten und Planungen der AG Spielraumplanung ist die Beteiligung und Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen, denn sie sind Experten in ihrem Lebensumfeld. Ihre Beteiligung, das Abfragen ihrer Meinung und ihrer Erfahrung garantiert eine hohe Qualität des Planungs- und Entscheidungsprozesses. Beteiligung heißt für erwachsene Experten unterschiedlicher Fachrichtungen immer auch Gewinn, heißt aber auch Macht und Einfluss teilen, Kinder ernst nehmen.  Beteiligung muss nachhaltig sein und Folgen haben.
Die Arbeitsgruppe trifft sich regelmäßig, um auf aktuelle Situationen reagieren zu können. Zur Zeit wird die problematische Situation der Skater und Biker sowie die Erschließung eines öffentlichen Raumes  für die Integration von sehbehinderten und blinden Kindern  – speziell im Bereich der Schule für Sehbehinderte und Blinde – bearbeitet.

Die Gesamtheit  von Aktivitäten und Initiativen sind hier nicht aufzuzählen. Natürlich gelingt nicht immer eine reale Umsetzung planerischer Erkenntnisse, aber viele der Arbeitsansätze hatten Erfolg: der Bauspielplatz in Weimar West entstand aus einem Beteiligungsprojekt mit Kindern in Weimar West, das Dorfplanungsbüro in Taubach führte zu einem Spielpunkt, ein Schülertreff entstand. Im Hasenwäldchen wird ein Weg für die blinden und sehschwachen Schüler gebaut,  Spielobjekte sollen folgen. Spielplätze und Spielbereiche entstanden im ganzen Stadtgebiet. Nicht zuletzt gibt es bei den in der AG mitarbeitenden Fachämtern eine Schärfung des Bewusstseins für das, was Kinder und Jugendliche brauchen sowie eine größere Bereitschaft, bei Entscheidungen an Kinder und Jugendliche zu denken und sie in die Entscheidungen einzubeziehen.

 

Grundsätzlich ist die AG Spielraum Ansprech- und Beratungspartner für Anfragen und Beschwerden der Bürger der Stadt den öffentlichen Spielraum betreffend. Die AG Spielraum unterstützt Aktionen und Selbsthilfeaktionen der Bürger.

 

 

Ausgewählte Projekte der AG Spielraumleitplanung 

 

Gründung der AG Spielraumplanung

Erarbeitung von Arbeitsgrundlagen und allgemeinen Planungskriterien (1995/1996)

 

Analyse und Bestandsaufnahme der Spielraumsituation in Weimar unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen (1995/96)

   

Erstellung der Karte ‚Spielraumanalyse’ für den Flächennutzungsplan (1997)

 

Spielraumplanung Weimar Nordvorstadt (1999)

 

Entwicklung eines Leitbildes für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt (1999)

 

Projekt Wielandschulhof (1999)

 

Kinderstadtplanungsbüro Weimar West (2000)

 

Spielraumplanung Weimar West  (2000)

 

Kooperation bei der Gestaltung des Innenstadtplans auf Anfrage Amt für Tourismus und Weimarwerbung (2000)

 

Kooperation mit Stiftung Weimarer Klassik  und Stadtelternrat beim Kleinkindspielplatz im Goethepark (2000)

 

Teilnahme an Fachtagung Schulhofgestaltung in Bad Berka (2000)

 

Einbringen des Materials über  Weimar West zu dem zweitägigen Workshop  zum Bundesmodellprojekt Soziale Stadt (2000)

 

Modellbauworkshop mit Kindern zum Spielplatz an der Sackpfeife (1999)

Übergabe Spielplatz Sackpfeife (2000)

 

Ist Weimar West eine kinderfreundliche Stadt?

Studie zum Freizeitverhalten (2001)

 

Dorferneuerungsplanung mit Kindern in Taubach (2002)

 

Textvorschläge für die Änderung zur Richtlinie der Städtebauförderung für das Thüringer Innenministerium (2002)

 

Studie zum Schulweg der Schulanfänger mit Schwachstellenanalyse (2001, 2002)

 

Sommerspielstraße Taubach - ein soziales Experiment (2003)

 

Spielorte in der Südweststadt - ein Integrationsprojekt unter Beteiligung der Schule für Behinderte und Sehschwache (2003)

 

Gestaltungsgrundlagen für Sehbehinderte und Blinde im öffentlichen Raum

Beteiligungsverfahren mit der Schule für Sehschwache und Blinde  (2003)

 

Spielraumanalyse Südweststadt (2004)

 

Flächenanalyse zur Ermittlung potentieller Skaterflächen (2005)

 

Vorbereitung einer umfassenden Dokumentation über Ziele, Arbeitsweise und Ergebnisse der AG Spielraumplanung (2005)

 

Beginn des Beteiligungsverfahrens mit Kindern und Jugendlichen
zur Realisierung einer Skatefläche (2006)

 

Durchführung des Beteiligungsverfahren zum Skatepark mit ca. 30 Kindern und
Jugendlichen. Beginn der Baumaßnahmen (2007)

 

Übergabe des Skateparks in Weimar Nord (Herbst 2008)

 

Unterstützung:
Faltblatt Spiel(t)träume
Spielplätze der Stadt Weimar (2009)

 

Unterstützung:
Bäume in Weimar
Eine Entdeckungsreise für Kinder und Jugendliche (2009)

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