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Kinder haben auch was zu sagen - Tag

Logo des Kinder haben auch was zu sagen - Tag

23.01.2012

Worum ging es?

Was war los?

Was sind die Ergebnisse?

Wie geht es weiter?

Warum ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wichtig und sinnvoll?

Was sind die rechtliche Grundlagen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen?

 

 

Der „Kinder haben auch was zu sagen - Tag“ wurde in Kooperation mit dem Amt für Familie und Soziales, der AG Spielraum, dem Schulamt Mittelthüringen und dem Förderprogramm Demokratisch Handeln, der EJBW, dem Kinderhaus und dem Mini Verlag der Buchkinder_Weimar e.V. veranstaltet und vom Förderprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" unterstützt.

Hier gibts ein Video vom Kinder haben auch was zu sagen - Tag


Worum ging es?

drei Jugendliche stehen neben einer Pinwand und denken überlegen

Mehr als 65.000 Menschen leben in Weimar. Sie alle können die Straßen, Parks, Theater, Bibliotheken und andere öffentlichen Einrichtungen gemeinsam nutzen. Wenn einen Menschen in unserer Stadt etwas stört, kann er wegschauen und es ignorieren, sich mit der Situation arrangieren oder aber aktiv werden und das Problem angehen. Aber etwa jeder 6. Einwohner der Stadt hat keine Möglichkeit sein Lebensumfeld mit zu gestalten. Es sind die Kinder und Jugendlichen aus Weimar, die kein Wahlrecht haben und von politischen Entscheidungen ausgeschlossen sind. Dabei werden gerade auf kommunaler Ebene ständig Entscheidungen gefällt, die das Leben unserer zukünftigen Generationen beeinflussen. Baumaßnahmen werden verabschiedet, Stadtentwicklungskonzepte erstellt oder Straßenführungen geplant. Die Erwachsenen gestalten eine Stadt, in der auch die Kinder von heute später leben werden.

Darüber hinaus treffen die Erwachsenen auch Entscheidungen, die schon jetzt direkt das Umfeld der Kinder und Jugendlichen betreffen. Spielplätze werden gestaltet, Schulen umgebaut, Kindergärten saniert und nur selten werden die Heranwachsenden in die Planung einbezogen. Dabei sind sie doch die Experten, wenn es um ihr Lebensumfeld geht!

Kinder wissen doch am besten, wie ein Spielplatz aussehen sollte, auf dem es Spaß macht zu toben. Jugendliche gehen täglich den Weg zur Schule und erfahren als Verkehrsteilnehmer wo es schwierig ist über die Straße zu kommen und an welchen Kreuzungen man ewig an der Ampel wartet. Warum werden bei solchen wichtigen Themen unsere jungen Bewohner nicht nach ihrer Meinung gefragt?

Genau das wollen wir zukünftig tun!

 

Mit dem „Kinder haben auch was zu sagen - Tag“ wollten wir den ersten Schritt gehen, um Kinder und Jugendliche zukünftig kommunalen Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen.

 

Der Oberbürgermeister Stefan Wolf und das Kinderbüro der Stadt Weimar haben 100 Kinder und Jugendliche und 50 Erwachsene aus Politik und Verwaltung dazu eingeladen, am 23.1.2012 in den Räumen der Stadtverwaltung gemeinsam zu diskutieren. In 10 Arbeitsgruppen ging es darum, wie Heranwachsende in Weimar beteiligt werden können. In vielen Städten Deutschlands gibt es bereits Kinder- und Jugendparlamente, Jugendforen, Zukunftswerkstätten oder andere Modelle. Doch was ist die beste Beteiligungsform für unsere Stadt? Wir wollten darüber sprechen, wobei Kinder und Jugendliche mitreden wollen und vielleicht ein ganz eigenes Modell der Mitbestimmung für Weimar finden.


Was war los?

Kinder von DAS Jugendtheater spielen Theater. Sie lesen sitzend und stehend Zeitung.

Ganz schön viel Trubel herrschte, als am 23. Januar 2012 gegen 15 Uhr etwa 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf Einlass in den großen Saal der Stadtverwaltung drängten. Denn schließlich musste sich jeder Teilnehmer erst bei der Anmeldung einen farbigen Button abholen. Doch dann ging es endlich los. Der Oberbürgermeister Stefan Wolf begrüßte alle Anwesenden und Sina Solaß, die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt erklärte, wie der Nachmittag ablaufen soll. Anschließend zeigten die die Kinder des DAS Jugendtheater Weimar, wie sie eine Zukunft sehen, in der nur die Kinder was zu sagen haben. Dann durften endlich auch alle anderen ihre Vorschläge und Ideen einbringen. Dazu wurde in zehn kleinen Gruppen gearbeitet. In jeder Gruppe diskutierten Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Erwachsenen, die unter anderem aus der Stadtverwaltung, dem Stadtrat oder dem Jugendhilfeausschuss eingeladen waren. Und den Erwachsenen wurde schnell klar, dass es eine Menge Themen gibt, zu denen die jungen Einwohner Weimars auch etwas zu sagen haben. Sie wollen gefragt werden, wenn es beispielsweise um die Gestaltung von Spielplätzen und Schulhöfen geht oder Entscheidungen getroffen werden, wo Fußgängerüberwege entstehen. Ganz viele Vorschläge kamen aus den Bereichen Freizeit, Sport oder zum Thema Sicherheit in der Stadt. Tolle Einfälle hatten die Teilnehmer auch dazu, wie sich die Kinder und Jugendlichen einmischen können. Eine Kinderpartei, ein Kinderrat oder Kinder- und Jugendparlament, eine Jugendparade oder eine Stimme im Jugendhilfeausschuss wurden unter anderem genannt. Am Ende des Nachmittages wurden zehn wichtige Ideen in einem großen Markt der Ideen vorgestellt. Alle Mitwirkenden vergaben dann Punkte für die Beteiligungsmodelle, die ihnen am besten gefallen haben. Am Ausgang konnten die Teilnehmer ein Manifest unterschreiben, auf dem vereinbart wurde, dass die erwachsenen Bürger den Jüngeren zukünftig Beteiligung ermöglichen, aber auch, dass sich die jüngeren Einwohner beteiligen wollen.


Was sind die Ergebnisse?

34 Kinder, 34 Jugendliche und 34 Erwachsene haben an der Veranstaltung teilgenommen.

89 Personen haben auf dem Manifest unterzeichnet.

 

In den Farbgruppen wurde diskutiert, bei welchen Themen Kinder und Jugendliche in Weimar mitreden wollen.

Am häufigsten wurden genannt: 

- Verkehr (z. B. Sicherheit und Nahverkehrsplanung)

- Freizeit (z.B. Spielplätze und Sport)

- Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an der Ortsteilentwicklung

- Sicherheit (Erwachsene sollen Vorbild sein)

- Stadtteilzentren (mit Räumen für Kinder und Jugendliche, Innenstadtjugendclub)

- Graffiti

- Umweltschutz

- Beteiligung in der Schule und an der Schulnetzplanung

 

Aus jeder Farbgruppe wurde eine Beteiligungsmethode im Markt der Ideen vorgeschlagen. Die Teilnehmer haben anschließend für die Ideen Punkte vergeben.

 

In der folgenden Liste sind die Titel der Ideen mit kurzen Stichpunkten zur Erklärung zusammengefasst. Wir haben auch notiert, wie viele Punkte für die einzelnen Ideen vergeben wurden. Trotzdem gibt es keinen ersten Platz. Wir werden alle Methoden weiter diskutieren - auch die Modelle, die in den Farbgruppen besprochen wurden, es aber nicht in den Markt der Ideen geschafft haben. Die von den Teilnehmern vergebenen Punkte geben uns gute Hinweise darauf, was Euch am besten gefallen würde.

 

Kinderpartei - Ideenbox (50 Punkte) - Farbgruppe grün

- Ideensammlung in Außenstellen (Schule)

- Weiterleitung an Kindervertretung (einzelne Vertreter der Schulen)

- mit Kinder- und Jugendbeauftragter in Politik einbringen

 

Kinder- und Jugendparlament (38 Punkte) - Farbgruppe petrol

- Gremium bilden aus interessierten Kindern und Jugendlichen

- alle Schulformen mit regelmäßigen Treffen

- online Informationen zu Anliegen und Entwürfen

- Verteiler einrichten, so dass Kinder und Jugendliche informiert werden über aktuelle Planungen

 

Kinderrat (37 Punkte) - Farbgruppe rot

- mit Kinder-Botschafter

- Ort im Kinderbüro

- z.B. Meinungs-Box an allen Schulen

- Meinungs-Botschafter-Tag

 

Mitmachen muss Spaß machen (29 Punkte) - Farbgruppe hellblau

- Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder mitbestimmen

- Ideen der Kinder kennen, ernst nehmen und ihnen eine Chance geben (Erwachsene nehmen sich zurück)

- Beteiligung muss Spaß machen

- Interessen der Kinder stehen im Mittelpunkt

 

ein Kind und ein Jugendlicher als VertreterIn im Jugendhilfeausschuss (25 Punkte) - Farbgruppe gelb

- offener Kreis der Schülersprecher

- regelmäßig und themenorientiert

- Sprechzeiten für Kinder und Jugendliche bei Verantwortungsträgern

 

Projektentwicklung (19 Punkte) - Farbgruppe pink

- Schülersprecher (Vertreter aller Schulen) der Stadt beraten

- Stadt informiert, bezieht Kinder ein über Planungen

- Kinder und Jugendliche bringen ihre Vorschläge ein

 

Direkte Beteiligungsmöglichkeit (16 Punkte) - Farbgruppe lila

- Netwerktreffen (verschiedene Interessengruppen tauschen sich aus)

- Gesprächsleitung durch neutrale, unbeteiligte Person, die das Ziel im Auge behält

- Fachleute, die bei der Verwirklichung helfen (Material zur Umsetzung)

 

Paket an den Oberbürgermeister (15 Punkte) - Farbgruppe blau

- Petition + Öffentlichkeitsarbeit

- Demo

- bildhafte Darstellung

 

Jugendparade (9 Punkte) - Farbgruppe hellgrün

- Rede und Gegenrede

- Plakate, Transparente auf denen die Meinung der Kinder und Jugendlichen steht

- große Veranstaltung von Kindern und Jugendlichen

 

Kinder und Jugendliche und Erwachsene reden miteinander (4 Punkte) - Farbgruppe orange

- das Reden muss zum Ergebnis führen

- nach festgelegten Regeln

- sie reden zu bestimmten Themen

 

 

Zusammengefasst lassen sich als Ergebnis des „Kinder haben auch was zu sagen - Tages“ drei wichtige Ziele für die Beteiligung formulieren:

 

Ein Dialog  zwischen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen muss ermöglicht werden.

- Mitmachen muss Spaß machen (hellblau)

- Direkte Beteiligungsmöglichkeit (lila)

- Kinder und Jugendliche und Erwachsene reden miteinander (orange)

- Projektentwicklung (pink)

 

Vertreter der Kinder und Jugendlichen sollen in Verwaltung und Politik mitsprechen können.

- ein Kind und ein Jugendlicher als VertreterIn im Jugendhilfeausschuss (gelb)

- Kinderpartei - Ideenbox (grün)

- Kinder- und Jugendparlament (petrol)

- Kinderrat (rot)

 

Kinder- und Jugendthemen müssen in die Öffentlichkeit gebracht werden.

- Jugendparade (hellgrün)

- Paket an den Oberbürgermeister (blau)

 


Wie geht es weiter?

Kinder unterschreiben das Manifest

Gerade werden alle Ergebnisse des „Kinder haben auch was zu sagen - Tages“ genau unter die Lupe genommen. Geplant sind Öffnet internen Link im aktuellen Fensterweitere Veranstaltungen, zu denen engagierte junge Menschen eingeladen werden, um die gesammelten Ideen weiter zu entwickeln. Natürlich könnt ihr euch jetzt schon anmelden, wenn ihr auch dabei sein wollt. Alle Teilnehmer des „Kinder haben auch was zu sagen - Tages“, die in der Liste eine weitere Beteiligung angekreuzt haben, werden ganz automatisch informiert.


Warum ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wichtig und sinnvoll?

eine Pinwand mit farbigen Zetteln

1. Kinder und Jugendliche können unmittelbar demokratische Erfahrungen machen.

2. Kinder und Jugendliche können die Auswirkungen ihres Engagements sehen, nachvollziehen

und sich damit identifizieren.

3. Kinder und Jugendliche sind die Experten, wenn es um ihre Belange geht.

4. Kinder und Jugendliche erfahren, dass sie mit ihrer Meinung ernst genommen werden.

5. Beteiligung ist laut UN - Kinderrechtskonvention das Recht von Kindern und Jugendlichen.

6. Beteiligung trägt dazu bei Konflikte zu verringern und die Akzeptanz von Entscheidungen zu erhöhen.

7. Kinder und Jugendliche können Impulse geben und die Politik mit frischen Ideen anregen.

8. Kinderfreundliche Kommunen sind lebenswert für alle.

9. Kinder- und Familienfreundlichkeit sind wichtige Standortfaktoren und damit auch ökonomisch sinnvoll.

10. Mitsprache von Kindern und Jugendlichen in allen politischen Bereichen fördert das eigenverantwortliche Handeln von Kindern und Jugendlichen.


Was sind die rechtlichen Grundlagen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen?

In der UN-Kinderrechtskonvention, die seit 2010 vorbehaltlos in Deutschland anerkannt ist, sind unter anderem folgende Regelungen zur Beteiligung festgelegt:

 

Art. 3 Abs. 1: „Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“

 

Art. 12 Abs. 1: „Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“