Beteiligungsprojekte

Beteiligungsprojekte

Eine der wichtigsten Aufgaben des Kinderbüros ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungen, die sie betreffen. Dabei ist Voraussetzung, dass diese Beteiligung nicht nur als Alibi für Kinderfreundlichkeit oder für die Profilierung von Erwachsenen missbraucht wird. Es geht um Partizipation, die Folgen hat.  Ernsthaftes Nachdenken über die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen verlangt, deren Wünsche, Denkweisen, Handlungs- und Ausdrucksformen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Erwachsene müssen erkennen, dass Heranwachsenden kompetent sind, ihre Interessen selbst zu vertreten.

Eine Demokratisierung des Kinderalltags muss in den Köpfen der Erwachsenen beginnen, sich im konkreten Handeln wiederfinden und Kindern glaubhaft Mitsprache ermöglichen. Beteiligung und Mitsprache von Kindern ist sinnvoll, wenn es einen Bezug zu konkreten Lebenswirklichkeit von Kindern gibt. 

Das Kinderbüro der Stadt Weimar hat viele Jahre projektbezogene Beteiligung ermöglicht. Seit September 2016 gibt es einen Stadtratsbeschluss, der die Projektbezogene Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an sie betreffenden Entscheidungen in der Kommune regelt.

 

Unsere Grundsätze sind:

 

Beteiligung braucht ein bestimmtes Bild vom Kind.
Beteiligungsprozesse brauchen ein bestimmtes Verständnis für Kinder. Grundlage der Arbeit, die „Philosophie“, ist ein Bild vom Kind als eine eigenständige Persönlichkeit. Kinder sind nicht Objekt unserer Bemühungen, sondern Individuen, mit denen wir partnerschaftlich umgehen. In der UN-Kinderrechtskonvention ist die soziale, rechtliche, politische und wirtschaftliche Stellung von Kindern erstmals fest geschrieben worden. Das ist Maßstab unseres Handelns.

 

Beteiligung heißt auch “teilen“.
Macht und Einfluss teilen, Kinder und Jugendliche ernst nehmen. Jeder, der in irgendeiner Weise im Arbeitsfeld “Kinder“ tätig ist, weiß um die inflationäre Handhabung dieses Begriffes zwischen Modernisierungsfalle, Alibi und Notwendigkeit, d.h. dem ernsthaften Bemühen, das Expertenwissen der Kinder und Jugendlichen zu nutzen.

 

Beteiligung fängt in den Köpfen der Erwachsenen an.
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen braucht Bedingungen, die von Erwachsenen geschaffen und toleriert werden: Möglichkeiten sich zu artikulieren und gehört zu werden; den Willen, die Sprache und Ausdrucksweise der Kinder zu verstehen; die Zeit, Kinder anzuhören...

 

Beteiligungsprojekte verbinden Menschen aus unterschiedlichen „Systemen“, die man kennen und verstehen muss. Ohne Partner geht nichts.
Lehrer, Architekten, Politiker, Planer, Eltern ... und natürlich Kinder und Jugendliche gehören verschiedenen Lebens- und Arbeitsfeldern an. Sie haben verschiedene Ausdrucksweisen, Fachsprachen und Denk- und Handlungsweisen. Auch sind sie unterschiedlichen Regeln und Zwängen unterworfen: ein Lehrer denkt in Bildungs- und Schulordnungskategorien, ein Architekt an ästhetisch-funktionelle Gestaltungsziele, ein Sozialarbeiter in pädagogischen Dimensionen, ein Kommunalpolitiker an die Sachzwänge des Sparens, Eltern an die Interessen ihrer Kinder, Kinder artikulieren ihre Bedürfnisse aus ihren Erfahrungen und unmittelbaren Lebenswelten. Beteiligung braucht die Bereitwilligkeit, diese Systeme zu verstehen, zu „übersetzen“ und aufeinander zu zugehen.

 

Beteiligungprojekte sind immer gekennzeichnet durch Dialog, Kommunikation und Prozesshaftigkeit.
Beteiligung ist ein kommunikativer Diskussionsprozess, bei dem sich die Partner aufeinander einlassen müssen. Sie erkennen die unterschiedlichen Kompetenzen an und handeln Kompromisse aus.

 

Beteiligung braucht Geduld und Zeit. Beteiligung ist immer Beziehungsarbeit.
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist durch Erwachsene mit Fachwissen und Problembewusstsein zu begleiten. Nicht gelungene Beteiligung ist niemals den Kindern und Jugendlichen anzulasten.